Intuitives Malen

Heute möchte ich Euch das Intuitive Malen vorstellen. Denn intuitives malen wird auch als heilsames malen bezeichnet. Und wenn wir als Krebskranke oder ehemals krebskranke Menschen etwas gut brauchen können, dann ist es Heilung. Meist brauchen wir nicht nur Heilung für den Körper von den Folgen der Erkrankung. Wir brauchen auch Heilung für unseren Geist und unsere Seele.

Beim intuitiven malen geht es in erster Linie um den Prozess und nicht um das spätere Ergebnis. Du musst dabei weder wissen, wie man räumliche Tiefe in einem Bild schafft, noch ist die Farblehre wichtig oder die Perspektive. Es geht darum, Dich selbst auszudrücken und wieder zu Dir und Deinen Gefühlen zu finden. Das kann sehr wichtig sein, wenn im Verlauf Deiner Erkrankung Verdrängung zu einer Art Bewältigungsstrategie geworden ist.

Ich habe dazu ein kleines Interview mit der wundervollen Julia von imblauenatelier geführt. Wir haben uns über Instagram kennengelernt und ich liebe und wertschätze ihre Arbeit sehr. Julia gibt Kurse zum Thema Intuitives Malen, Ausdrucksmalen und freies Gestalten.

Wie bist Du zur Kunst gekommen? Warst Du schon als Kind immer am malen, zeichnen und basteln oder kam die Begeisterung dafür erst später?

Julia: Als Kind hatte ich das grosse Glück, dass meine Kreativität gefördert wurde. Geschichten und Märchen waren ein wesentlicher Teil meiner Erziehung, wie auch das Interesse an Kunst, Museen und Kultur im Allgemeinen. Ich denke, das führte zu meiner Liebe zur Kunst und meinem Studium der Kunstgeschichte und Kunstpädagogik. Nun beende ich bald eine Ausbildung zur Maltherapeutin und arbeite täglich in meinem Atelier. Kreativ sein gehört also schon immer zu meinem Leben.

Du schreibst auf Deiner Website, dass Du selbst Erfahrung hast mit Schmerzen bzw. mit dem Vergessen der Schmerzen durch malen – magst Du erzählen, unter welchen Schmerzen Du leidest oder gelitten hast?

Julia: Ich leide seit meiner Kindheit immer wieder unter Bauchschmerzen, seit 2001 wirklich chronisch. Mittlerweile lebe ich gut damit und weiss, wie ich mit dem Schmerz umgehen kann.

Welche positiven Effekte merkst Du, wenn Du malst?

Julia: Starke Schmerzen schränken das Leben enorm ein, im Akutfall tritt alles andere in den Hintergrund. Ich konnte mich sehr lange nur auf dieses Gefühl konzentrieren und dann wurden die Schmerzen nicht wirklich erträglicher. Malen lenkt erstmal einfach ab. Es ist wie Meditation, entspannen während der Körper total angespannt ist. Die Erfahrung, während der Schmerzattacke etwas Schönes schaffen zu können, lässt die vermeintliche Allmacht des Schmerzes schwinden. Die bisher so oft verschenkte Zeit mit Schmerzen wird so für mich sinnvoll gefüllt.

Hast Du Tipps für jemanden, der mit dem Intuitiven Malen beginnen möchte? Wie malt man am besten ohne zu Überlegen, ohne sich einen Plan zurecht zu legen?

Julia: Für viele ist ein weisses Blatt oder die leere Leinwand erschreckend, wenn man keine Idee hat. Einfach loszumalen scheint so schwierig zu sein. Es gibt aber ganz tolle Möglichkeiten, sich auf das intuitive Malen einzugrooven. Meditation vor dem Malen, eine kleine Phantasiereise oder sich nur auf den Atem zu konzentrieren kann wunderbar helfen. Stell Dir z.B. eine Farbe vor deinem inneren Auge vor. Was kommt Dir entgegen? Trage dann die Farbe direkt mit der Hand auf das Blatt auf, ganz langsam. Irgendwann entsteht vielleicht eine Figur, ein Gefühl oder Eingebung, der Du nachgehst. Manchmal stehe ich aber auch einfach vor dem gemalten Bild und weiss nicht genau, was es mir sagen will. Auch das ist ok.

Wie müsste Deine Woche gelaufen sein, damit Du am Sonntag ein Lächeln im Gesicht hast und total zufrieden bist?

Julia: Zufrieden bin ich am Sonntag, wenn meine Woche angereichert war von guten Gesprächen, kreativen Auszeiten, liebevoller Gegenwart und gemeinsamen Zielen. Und so wenig Schmerzen wie möglich.

Vielen lieben Dank Julia, für das Interview und Dein Vertrauen in mich und meinen Blog.

Ich habe auch schon intuitives malen probiert. Hier seht ihr mein Ergebnis.
Farbe aufs Papier bringen, nicht nachdenken, sich ablenken lassen.