Diagnose Zungenkrebs – Teil 13 Die Entscheidung steht an

Die Entscheidung steht an

Meine Gedanken kreisten

Wie ich in meinem letzten Artikel ja schon geschrieben habe, bin ich einfach eine Woche in Urlaub gefahren. Ich hatte mir davon einen klaren Kopf für die krasseste Entscheidung meines Lebens erhofft. Aber meine Gedanken kreisten weiterhin ständig um die weiteren Behandlungsmöglichkeiten. Denn mein Ärzteteam hatte mich vor folgende Wahlmöglichkeiten gestellt:
– Bestrahlung
– Bestrahlung UND Chemotherapie mit Cisplatin
– Nachsorgeuntersuchungen ohne weitere Behandlung
Meine Gedanken kreisten aber nur noch um diese Behandlungsmöglichkeiten. Wie sollte ich denn als medizinischer Laie eine solche Entscheidung treffen? Dazu fehlt mir doch das nötige Fachwissen. Letztlich sind wir wieder nach Hause gefahren und ich hatte immer noch keine Entscheidung getroffen. Was sollte ich nur tun um endlich einen Entschluss zu fassen?

Die Entscheidung steht an

Wer kann mir dabei helfen eine Entscheidung zu treffen?

Der Onkologe

Diese Frage habe ich mir gestellt, obwohl mir natürlich klar war, dass nur ich selbst die Entscheidung treffen kann. Ich habe also nach Informationen aus allen Richtungen gesucht. Meine Heilpraktikerin empfahl mir einen Onkologen, der nur privat abgerechnet. Dafür aber keinen Pharmavertreter in seine Praxis lässt. Der Termin bei dem Onkologen hat mir sehr viel gebracht, da er der erste Arzt war, der mir den OP-Bericht bzw. das Ergebnis der Gewebeuntersuchung erklärt hat. Ihr wisst schon, diese kryptische Aufstellung T3 N0 G2 usw. Dazu werde ich noch einen gesonderten Beitrag schreiben und zum nachlesen vielleicht einfach unter Tipps stellen. Dieser Onkologe sagte mir zum Abschluss jedenfalls den schönen Satz: “Man kann nichts töten, was schon tot ist”. Damit meinte er, dass mein Krebs schließlich durch die OP schon vollständig entfernt wurde und seiner Meinung nach maximal eine Bestrahlung in Frage kommt.

Der Radiologe

Danach war ich noch in einer anderen radiologischen Praxis, die etwas näher an meinem Wohnort war als die Radiologie neben meinem Krankenhaus. Der Besuch bei diesem Strahlentherapeuten war zwar sehr skuril, da er sich während des Gesprächs schneuzen musste und danach sein Taschentuch auf´s genaueste inspizierte… . Aber inhaltlich war es ein gutes Gespräch mit vielen Infos. Er war der erste Arzt, der bei der Aufklärung über die Chemotherapie NICHT den Haarverlust als größtes und quasi einziges Problem ansprach. Dieser Radiologe klärte über die Folgen einer Cisplatinbehandlung auf wies mich auf einige fiese Folgen hin. Und schließlich schlussfolgerte auch er, dass mein Tumor zwar sehr groß war aber laut OP-Bericht vollständig entfernt wurde. Also eine Bestrahlung aus seiner Sicht, ausreichend wäre.

Die Journey-Methode

Letztlich ist meine Schwester auf einen psychotherapeutischen Heilpraktiker gestoßen, der nach der Journey Methode von Brandon Bays arbeitet. Das ist eine Meditationsmethode, die einen Weg in dein Inneres findet. Ich habe mir einen Termin geholt und saß bei der ersten Sitzung über 2 Stunden in seiner Praxis und es war wirklich erstaunlich. Durch seine angenehme Stimme und Sprechweise hat er mich auf eine Reise in mein Inneres geführt. Und dabei die richtigen Fragen gestellt. Ich komme hier mal direkt zum entscheidenden Punkt. In meiner Vorstellung stand ich vor einem ewig hohen Berg und musste da mit dem schweren Rucksack hoch. Diesen Aufstieg und die Zeit danach sollte ich mir einmal mit und einmal ohne Bestrahlung vorstellen. Und das noch an die Frage geknüpft: “Wie geht es dir in 2 Wochen, 3 Monate oder 6 Monaten”?

Ohne Bestrahlung

Ich erholte mich schnell von den Folgen der OP. Nahm wieder an Gewicht zu und konnte schon bald wieder gut sprechen. Der Aufstieg auf den Berg war alleine durch die OP schon gut zur Hälfte geschafft und der Rest ein Klacks. Allerdings zeigte sich in meiner Vorstellung nach den 3 oder 6 Monaten eines ganz deutlich und das war: Angst. Mein Weg nach dem Aufstieg war schmal und eher wie ein Berggrat. Rechts und links fiel der Weg ab und es war dunkel und ich hatte einfach nur Angst noch einen Schritt weiterzugehen.

Mit Bestrahlung

Durch die Bestrahlung verlor ich an Gewicht, hatte starke Schmerzen und war kraftlos. Mein Aufstieg auf den Berg war sehr mühsam und ich musste von meiner Familie und Freunden teilweise gezogen und geschoben werden. Bei der Vorstellung, wie es mir in 3 oder 6 Monaten gehen würde, zeigte sich aber ein ganz anderes Bild. Ich war nach dem Aufstieg auf einem breiten, hellen Weg unterwegs. Nirgends war ein Abhang in Sicht, den ich runterfallen konnte. Auf dem Weg kamen zwar immer wieder kleinere Hügel, aber alles gut zu schaffen.

Die Entscheidung

Vielleicht klingt diese Beschreibung der Reise in meine innere Vorstellung seltsam, zu esoterisch oder abwegig. Es war aber eine tolle Erfahrung für mich. Den Anlass dafür mal außer acht gelassen… Ich bin da ohne große Erwartung hin gegangen und wurde echt überrascht. Mir war bis dahin schon klar, dass ich mir sehr viel bildlich vorstelle. Wenn mir jemand etwas erzählt entstehen in meinem Kopf sofort Bilder dazu. Aber das ich so konkrete Bilder bei den Fragen nach meinem Zustand in z.B. 3 Monaten entwickeln kann, hatte ich nicht erwartet. So hat mir diese Erfahrung, die geführten Gespräche mit anderen Ärzten/innen, Therapeuten und Heilpraktikern geholfen endlich eine Entscheidung zu treffen:
Ich gehe in die Bestrahlung. Ohne Chemotherapie. Die Nachsorgeuntersuchungen nutze ich natürlich auch. Aber eben nicht als alleiniges Instrument.

Wer sich die Journey-Methode etwas genauer ansehen möchte kann hier nachlesen: https://secret-wiki.de/wiki/The_Journey

Wie immer gilt – ich teile nur meine Erfahrungen. Ich bin keine Ärztin und ich gebe keine Ratschläge für Deinen Weg. Die Behandlungen auf privat Basis habe ich alle selbst gezahlt.