Kunsttherapie während der Reha

Collage zur Verarbeitung der Krebserkrankung

Gestalten einer Collage

Ich hatte mich zwar im Vorwege erkundigt, was die Klinik so anbietet. War dann aber sehr positiv überrascht, dass Kunsttherapie während der Reha angeboten wurde. Und habe mich direkt für die Stunden angemeldet. Unsere Kunsttherapeutin schlug vor, dass ich mich mit einer Richtung auseinandersetzen sollte, mit der ich noch nie gearbeitet habe. Da nur Aquarellmalerei oder das Gestalten einer Collage angeboten wurde, habe ich mich für die Collage entschieden.

Collage zur Verarbeitung der Krebserkrankung

Ausschnitte sammeln

Die erste Aufgabe lautete – Zeitungen durch blättern und mich inspirieren lassen. Was spricht mich an? Was fällt mir ins Auge? Was finde ich schön? Ich habe noch gar nicht an die fertige Collage gedacht. Sondern nur gesammelt was ich schön fand. Die vorhandenen Zeitungen waren schon richtig ausgeschlachtet und im ersten Moment war ich zu versteift um was zu finden. Aber ich bin dann nochmal neu an die Sache ran. So wie oben auch geschrieben, ohne zu denken, einfach nur nach Gefühl. Und schon hatte ich nen echt fetten Stapel an Schnipseln und herausgerissenen Seiten vor mir liegen.

Auseinandersetzen mit den Ausschnitten

Der beste Tipp der Kunsttherapeutin war der, dass ich nicht gleich kleben sollte. Erstmal legen und sich von den Ausschnitten und Schnipseln leiten lassen. So konnte ich auch besser fühlen, was meine Collage aussagen soll. Ich bin wirklich in dieser Arbeit versunken und habe mich mit jeder Zeile, die ich herausgerissen hatte, auseinandergesetzt. Das war teilweise kein einfacher Prozess. Gerade so Worte wie “Risikofaktoren” oder “ein dunkles Wesen” haben mich lange überlegen lassen. Und es sind Tränen geflossen. Dieses konfrontative Auseinandersetzen mit den gefundenen Worten hatte für mich eine befreiende Wirkung. Ich bin gut im Verdrängen und das war mit den Worten vor Augen nicht mehr möglich.

Die Collage final kleben

Ich war 4 Tage mit dem Finden, Auseinandersetzen und Legen beschäftigt. Jetzt konnte ich endlich kleben. Aber auch das war schwerer als gedacht. Dabei habe ich mich mit weiteren Fragen beschäftigt, wie zum Beispiel: Was ist mir wichtig? Gibt es eine neue Rangfolge in meinem Leben? War ich bisher wirklich der Mittelpunkt meines Lebens? Soll ich mehr auf meine Wünsche eingehen? Wäre das nicht ungerecht meinen Kindern gegenüber? Ist das Egoismus oder ist das Selbstliebe? Es war für mich wirklich überraschend, was so eine vermeintlich einfach Aufgabe wie das Gestalten einer Collage, für große Emotionen, Fragen und Erkenntnisse mit sich bringen konnte.

Probiert es mal aus!

Ich kann es Euch echt empfehlen, euch mal an einer Collage auszuprobieren. Es ist einfach umzusetzen. Ihr braucht nur ein paar alte Zeitungen, Kleber, Schere und ein großes Blatt Karton oder nur Papier. Und schon könnt Ihr loslegen. Es ist erstaunlich was dabei entsteht.